Immer wieder gibt es Leute, die daran zweifeln, dass es überhaupt noch unbestiegene Berge gibt. Es gibt sie und zwar zu hunderten in den Anden, im Karakorum, im Himalaya und einige sind sogar mehr als 7000 m hoch. Das ist eine Tatsache. Manche meinen, dass man gar nicht wissen könne, ob ein Berg schon bestiegen wurde oder nicht. Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit hundertprozentiger Sicherheit kann man das natürlich auch nicht. Doch wenn man sich, wie ich, in einen Berg oder noch spezieller in eine Route auf einen Berg verliebt hat, und sie gerne klettern möchte, dann ist man auf Informationen von anderen angewiesen. Solche Informationen sind naturgemäß immer mit Unsicherheiten behaftet.
Im Falle des Amphu bin ich aus zwei Gründen sehr sicher, dass ihn noch niemand bestiegen hat: Erstens wurde er noch nie beantragt. Das kann man im Ministerium erfahren. Er ist, wie ich glaube, einfach zu unbedeutend zwischen Everest, Ama Dablam und Baruntse als das schon jemand auf ihn aufmerksam geworden wäre. Mit ihm wird man nicht berühmt, viel zu niedrig. Und der andere Grund ist Mingma und seine Frau, die am Fuße dieses Berges eine Lodge haben. Sie wüßten vermutlich von einer schon stattgefundenen Besteigung, eher jedenfalls als deutsche Google Earth-Nutzer. Den Sherpas entgeht dort so schnell nichts. Auch sie sind sich sicher, dass dort noch niemand war.
Miss Hawley besucht jede permitpflichtige Expedition. Und sie will alles ganz genau wissen. Ich zeige ihr unseren Berg auf unserer Homepage.
Viel wichtiger als der hundertprozentige Status des Erstbesteigers ist doch aber, daß wir uns nicht einreihen in eine Bergsteigerschlange, uns nicht in vorbereitete Fixseile einhängen, unsere Route und Lagerplätze nicht von bezahlten Sherpas präparieren lassen und unsere Lasten selber tragen. Vom Fuß bis zum Gipfel sind es wohl 1500 Höhenmeter. Und das schöne ist, das jeder einzelne Meter Neuland und eine Herausforderung sind. Die Bilder zeigen das deutlich. Und darauf kommt es mir vor allem an, auf nicht mehr aber auch auf nicht weniger!
Gestern nun sind meine Freunde hier eingetroffen und haben mir kleine Bruchstücke Heimat mitgebracht. Hoffentlich auch alles andere! Heute wird es noch einmal sehr hektisch werden, wenn alles das erledigt werden muss, was ohne sie nicht ging. Dann aber freue ich mich auf den Berg, der es hoffentlich schaffen wird, mich und die anderen von allem loszumachen, was zu Hause aber auch hier in Kathmandu an einem gezerrt hat. Wir wollen uns jetzt nur auf unseren Gipfel konzentrieren und Ihnen erzählen, was uns dabei widerfährt.
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